Ein Blick in Pflege – von Jenny Fritzsche, aus der Bergstadt Nr. 118

Veröffentlicht am 23.12.2020 in Allgemein

Als Covid-19 in Sachsen im März 2020 ankommt, haben die meisten von uns Sorgen, die sich in den eigenen vier Wänden abspielen. Kinder müssen betreut werden, Home-Office organisiert und Abhilfe gegen Langweile gefunden werden. In manchen Berufen sah das aber ganz anders aus, wie im Beruf der PflegerInnen. Eine meiner engsten Freundinnen arbeitet seit 8 Jahren in einem Altenpflegeheim in Freiberg. Die Ängste und Szenarien, die sich in manchen Hot-Spots Deutschlands in Altenheimen abspielten, bewegten auch unsere Pflegekräfte hier.

Doch im März ist Sachsen noch auf keine mögliche Pandemie vorbereitet. Sie berichtet mir von fehlender Schutzkleidung und Masken, von Quarantäne, von Notfallplänen, bei denen die Belegschaft am besten im Pflegeheim kampieren soll. Das alles natürlich für normalen Lohn! Sie fühlt sich weder wertgeschätzt noch ausreichend vor dem Virus geschützt. Trotzdem geht sie weiter zur Schicht, während sich ein paar Leute täglich zum Klatschen für ihren Berufsstand verabreden.

Super, dann bitte einen Risikozuschlag! Vom Klatschen kann ich mir nichts kaufen!“

schreibt Sie mir per WhatsApp Nachricht, als ich einen Beitrag dazu teile. Zu all dem personellen Übel kommt aber noch die Isolation der Bewohner, die diese teilweise nicht verstehen können. Das mit anzusehen ist ebenfalls hart und so werden die Pflegekräfte noch zum einzigen sozialen Kontakt. Im Sommer beruhigt sich die Lage nur augenscheinlich, bei einem Kaffee frage ich Sie, was die Politik anders machen sollte, in Sachen Pflege. Meine Freundin antwortet sachlich: „Nicht so tun, als ob man für alles eine Lösung hätte. Natürlich kann man keine Pflegekräfte backen, ungelernte Aushilfen machen teilweise nur noch mehr Arbeit. Wenn wir aber schon unterbesetzt arbeiten, dann für mehr Geld und es sollte Zuschläge geben, eine Art Gefahrenzulage.“ Sachsen versprach eine Entschädigung für jeden Pfleger in Höhe von 1000€, diese hat sie im Sommer nach eigenem Bemühen endlich erhalten. Grund war die Ungewissheit, fehlende Aufklärung. Wer bezahlt diese Einmalzahlung genau? Während Deutschland versucht Covid-19 zu ignorieren und seinen verdienten Urlaub zu machen, entspannt sich die Situation nicht wirklich. Fachkräfte und Virologen waren sich sicher, mit der kalten Jahreszeit werden die Zahlen ansteigen. Trotzdem bekommen wir im Herbst, statt Einsicht und Vernunft, in Sachsen selbsternannte Freiheitskämpfer, die, anstatt einen 2. Lockdown zu verhindern, lieber wie am 07. Nov. in Leipzig zu 10.000 Mann auf die Straße gehen und Masken verbrennen. Wo war dieser ausgeprägte Gemeinschaftssinn eigentlich vor Corona?

Im Drogerie Markt bei mir um die Ecke fragt mich eine Verkäuferin mit MNS unterm Kinn genervt, die Nase frei: „Kennen Sie jemanden der dieses Corona hatte?“ Ich frage mich, warum Sie nicht begreift, dass es eher gut ist, wenn so wenig Leute wie möglich jemanden persönlich kennen, der das durchstehen musste. Es wirkt, als wären wir Sachsen kleine Kinder, die erst glauben, dass das Feuer heiß ist, nachdem sie sich die Finger verbrannt haben. Währenddessen tritt im Altenpflegeheim meiner Freundin der erste positive Covid-19 Fall auf. Das Gesundheitsamt scheint hier schon überfordert, es wird zu wenig getestet, zu wenig isoliert und schon bald sind alle Stationen betroffen. Wenigstens gibt es diesmal genug Schutzkleidung und Schnelltests für Personal, Bewohner und Besucher. Auch wenn diese anfangs auch nicht ausreichen, die Pflegedienstleitung ist jedoch besorgt. Wieder ist nicht klar, wer ist für die Bezahlung der vielen Schnelltests verantwortlich?

Meine Freundin schläft schlecht, das alles geht nicht spurlos an ihr vorbei. Personal erkrankt ebenfalls, es herrscht eine Unterbesetzung und meine Freundin tritt 14-Tage-Schichten an, es muss sein. Natürlich wieder, nach 6 Monaten Zeit für die Politik zu handeln, ohne Zuschläge. Als ich selbst schon erkrankt bin, erreicht mich diese bewegende Nachricht von ihr, es ist der 26. November, ein Mittwoch: „Zwei Tage hatte ich frei. In dieser Zeit sind wieder mehrere Menschen auf unserer Station gestorben. Die Leute sterben wie die Fliegen. Und wer da immer noch nicht an Corona glaubt, der soll wirklich mal in die Krankenhäuser und Pflegeheime gehen.“ Ich antworte auf diese Nachricht nicht, ich heule. Aus Angst. Heute am 10. Dezember veröffentlicht der Landkreis Mittelsachsen einen Aufruf, sich zu melden, für die Freiwillige Arbeit in Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Es ist so weit, Dank der Mitarbeit in Sachen aktives Verweigern von Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und Maskenpflicht haben wir einen Krisenzustand erreicht. Im Landkreis Erzgebirge sind noch 3 Intensivbetten frei. „Ich mache nur meinen Job.“ sagte meine Freundin Anfang November zu mir. Lockdown 2 ist da, es gibt nichts schönzureden. Es wird Zeit den letzten Anstand und Respekt vor Menschen in Risikoberufen zusammen zu kratzen und sich an die Scheiss Regeln zu halten. Niemand verdient es, egal wie alt, krank oder auch nicht, an diesem Corona zu sterben.

 

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